Goethe!
Kinobesuch der Q11 im Rahmen des Deutschunterrichts
„Es ist die Liebe, die die Welt im Innersten zusammenhält." - Auch wenn nur frei aus Goethes „Faust" übernommen, macht dieses Zitat für uns doch den Film „Goethe!" aus, den die Kollegiatinnen und Kollegiaten der 11. Jahrgangsstufe des Gabrieli-Gymnasiums am 28. Oktober 2011 im Rahmen des Deutschunterrichts in Begleitung ihrer Lehrer Dr. Walter Buckl, Winfried Mederlein, Gudrun Beck, Stefan Dinter und Christine Lutz im Eichstätter Kino besuchten.
Der romantische Liebesfilm mit biographischen Elementen stellt das Leben des jungen Johann Wolfgang Goethe, überzeugend verkörpert von Alexander Fehling, während seiner Wetzlarer Zeit dar. Nach verpatztem Staatsexamen von seinem Vater von Straßburg in die mittelhessische Kleinstadt geschickt, damals Reichsstadt und Sitz des Reichskam-mergerichts, soll er als Praktikant für den Gerichtsrat Albert Kestner - im Kontrast unan-sehnlicher, aber schauspielerisch umso stärker, Moritz Bleibtreu - arbeiten und damit seine juristische Dissertation abschließen.
Mit seinem Freund und Kollegen Wilhelm Jerusalem besucht Goethe eine abendliche Tanzveranstaltung, auf der er Bekanntschaft mit der selbstbewussten, faszinierend ke-cken Lotte Buff macht. Es folgt das Unvermeidliche: Goethe verliebt sich in sie, wie auch der männliche Kinobesucher in Schauspielerin Miriam Stein. Doch das sich scheinbar er-füllende Liebesglück wird von Goethes Vorgesetztem Albert getrübt, der zeitgleich um Lottes Hand anhält. Diese sieht sich gezwungen, den Antrag des Gerichtsrats, den Goethe unwissend, dass es sich um seine eigene Angebetete handelt, vorbereitet hatte, aus Vernunftgründen anzunehmen. Die Verwicklung deckt sich auf, als Goethe in die Verlo-bungsfeier platzt. Kestner fordert daraufhin seinen Gegenspieler zu einem illegalen Duell heraus, wobei er dafür sorgt, dass dieser am Ende verhaftet wird.
Im Kerker spielt Goethe mit dem Gedanken, dem Vorbild seines Freundes Jerusalem, der sich aus Liebeskummer getötet hat, zu folgen, lässt jedoch davon ab und verarbeitet die glücklose Romanze im Schreiben. Nach Fertigstellung seines Erstlingsromans sendet er diesen an Lotte, die das Werk ohne Goethes Wissen verlegen lässt. Als der junge Schrift-steller nach der Entlassung mit seinem Vater nach Frankfurt zurückkehrt, sind „Die Leiden des jungen Werther" ein Verkaufsschlager und Goethe ein gefeierter Mann.
Regisseur Philipp Stölzl lässt seine Zuschauer durch mit Bedacht ausgewählten Drehorte, möglichst originalgetreu nachgebaute Kulissen sowie Computeranimationen der Stadtsil-houetten in der Totalen in das Ambiente Wetzlars eintauchen: renovierungsbedürftige Gebäude, ein Jahrmarkt und das geschäftige Treiben auf den schlammigen Straßen. Auch die Kostüme passen in die Zeit und sind der Vorlage von „Die Leiden des jungen Werther" nachempfunden.
Gut gesetzte Schnitte unterstreichen die empfindsamen Gemütsregungen der Personen. So sind es meist fließende Übergänge und nur an passenden Stellen hektische Sprünge, z. B. als der Protagonist Rauschmittel konsumiert.
Bei der Titelmelodie hat Stölzl ebenfalls nichts dem Zufall überlassen und eine Orchester-fassung von Franz Schuberts Arie „Gretchen am Spinnrade" ausgewählt, Reminiszenz an Goethes Tragödie „Faust".
Der Film suggeriert durch echte alte Häuser, Requisiten und Kostüme Authentizität, be-züglich der Handlung darf aber keine Faktentreue erwartet werden, weder hinsichtlich der Intensität der Beziehung Goethes zu Charlotte noch der Entstehungsumstände der „Leiden des jungen Werther". Die biografischen Ungenauigkeiten sind darauf zurückzuführen, dass der Film eine gelungene Mischung des realen Goethe während seiner Wetzlarer Monate und der Handlung des Briefromans darstellt.
Alles in allem kommen wir zu der Einschätzung, dass der Film für Goethe-Interessierte gerade durch diese Verbindung der Künstlerbiographie mit einer Literaturverfilmung ein besonderes Erlebnis ist, und für alle anderen bietet er eine unterhaltsame, romantische Liebesgeschichte mit Herzschmerzgarantie für einen entspannten Fernsehabend oder Kino-besuch.
Anja Geyer und Barbara Mühldorfer (Q11), Christine Lutz