Autorenlesung Uwe Timm

Uwe Timm - Lesung am GG am 12. Juni 2015


„Es kommt nicht oft vor, dass einer der bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren, der uns mit seinen Werken von Kindheit an begleitet, unsere Schule besucht."
Diese einleitenden Worte des Moderators und Lesungsorganisators Walter Dr. Buckl beziehen sich auf den gebürtigen Hamburger und inzwischen in München lebenden, 1940 geborenen, Uwe Timm, der nicht nur mit seinem Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel", sondern auch mit zahlreichen Erwachsenenwerken - jüngst mit „Vogelweide" - die Leser begeistert und die Kritiker überzeugt. Dabei ist bemerkenswert, dass diese 33. Autorenlesung am GG seit 1996, die erste von Uwe Timm an einer Schule seit 16 Jahren ist, wobei die vorhergehende 1999 ebenfalls bei uns stattgefunden hat. Der Schriftsteller selbst begründet dies damit, dass er unsere Schule in sehr guter Erinnerung behalten hat und „auch wirklich Lust hatte, [zu uns] zu kommen". Vor dem Hintergrund, dass er lieber nachdenkt als redet, dass ihm Freiheit und Unabhängigkeit in seinem Leben und seinem Schaffen am wichtigsten sind und dass er stets konsequent und diszipliniert ausnahmslos Projekte verfolgt, die ihn begeistern, ist sein Erscheinen - ohne an dieser Stelle pathetisch zu wirken - eine große Ehre. Entsprechend würdigten Schülerinnen und Schülern der Q11 und der 10. Klassen sein Eintreffen mit tosendem Applaus und mit zahlreichen Fragen, in denen der Autor sowohl auf einzelne Texte als auch auf sein Leben einging. Da es hier nicht genügend Raum und Zeit gibt, das Gespräch nachzuzeichnen, möchte ich den Lesern dieses Artikels zweierlei mitgeben. Zunächst: Uwe Timm hat im Alter von 12 Jahren mit dem Schreiben begonnen, weil ihn sein damaliger Deutschlehrer drangsaliert hat (eine Tatsache, die sich in dem Jugendbuch "Der Schatz auf Pagensand" literarisch verarbeitet findet), sodass er sogar eine 5 im Zeugnis hatte. Das Schreiben hat ihm geholfen, seine Frustration zu verarbeiten mit dem positiven Nebeneffekt, dass er gelernt hat, sich auszudrücken. Auch wenn man kein Schriftsteller werden, will, so hält Uwe Timm das Beherrschen jeder Sprache für sehr wichtig, da man nur unter dieser Voraussetzung in den meisten Bereichen Erfolg haben wird. Zweitens: Neugierde und Interesse für etwas führen in Verbindung mit Fleiß und Disziplin oft zum Erfolg, auch wenn dieser sich nicht immer unmittelbar einstellt, sondern, wie auch Uwe Timm aus eigener schriftstellerischer Erfahrung weiß, erst später. So habe er - auf die Frage einer Schülerin hin - nie an seiner Berufung und der Qualität seine Werke gezweifelt, weshalb ihn nur unsachliche Kritik ärgert, aber nie verunsichert.

Fazit:
Obwohl er also laut Selbstauskunft kein großer Redner sei, hat Timm, dann doch zwei Stunden mit dem faszinierten (auch faszinierendem) Publikum gesprochen. Und ja, gelesen hat er auch: Die Rahmenhandlung aus seiner Novelle „Die Entdeckung der Currywurst", wobei ich Sie, geschätzter Leser, ermutigen möchte, in diesem oder einem anderen Werk Uwe Timms zu schmökern, zumal ja bald Ferienzeit ist.
Daneben ist Uwe Timm auch ein sympathischer und humorvoller Zeitgenosse, als den ihn einige Lehrer des GG während eines sich anschließenden, gemeinsamen Essens wahrgenommen haben.