Neue Bundesländer

Vom 20. bis zum 22. Juli 2006 führten die Klassen 11a und 11b eine geographische Exkursion nach Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt durch. Ziel war es, einen Teil der recht komplexen Lehrplaninhalte, die sowohl die physische Geographie, als auch die Humangeographie Deutschlands abdecken, konkret an regionalen Beispielen zu veranschaulichen. Dabei lag es nahe, den für uns Bayern weitgehend unbekannten Osten der Republik als Ziel auszuwählen, ist hier doch die DDR-Vergangenheit noch vielerorts zu spüren. So kommt für die 16-18jährigen Schüler ein weiterer, historisch interessanter Aspekt hinzu, kennen sie diesen fast schon archaisch anmutenden Staat doch nur aus den Geschichtsbüchern.

Als erster Programmpunkt wurde dann entsprechend "stilecht" das deutsch-deutsche Grenzlandmuseum in Mödlareuth ausgewählt, das 60-Einwohner-Dorf liegt auch heute noch zu einem Teil in Bayern und zu einem Teil in Thüringen. In einem kurzen Multivisionsvortrag wurden die Schüler mit wissenswerten und teilweise recht kuriosen Informationen über den Alltag an der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf den anschließenden Rundgang durch das Freilichtmuseum eingestimmt. Die alten Grenz- und Befestigungsanlagen wurden in dem auch "Little Berlin" genannten Ort rekonstruiert und didaktisch ansprechend aufbereitet.

Hier erfolgte also die Einreise in das "andere" Deutschland; einen Kontrast bot der anschließende Besuch in der Klassikerstadt Weimar. Trotz fast 40°C im Schatten entdeckten die Schüler selbständig die Wahlheimat Goethes und Schillers. Ein etwa zweistündiger Rundgang führt an so berühmten Sehenswürdigkeiten wie dem Nationaltheater, Goethe- und Schillerhaus, oder Goethes Gartenhaus im Park an der Ilm vorbei.

Die letzte Etappe des Tages führte uns nach Naumburg in Sachsen-Anhalt, hier bezogen wir für diesen und den nächsten Tag unser Quartier in der Jugendherberge. Für die Abendgestaltung bot die vorbildlich restaurierte Altstadt Naumburgs viele Gelegenheiten.

Der nächste Tag stand im Zeichen der unterschiedlichsten Ressourcen, die das ehemalige so genannte Mitteldeutschland bietet. Zunächst besuchten wir den Braunkohletagebau Schleenhain südlich von Leipzig; hier werden jährlich gut zehn Millionen Tonnen Braunkohle zur Stromgewinnung in Wärmekraftwerken gefördert. Wir befuhren mit dem Bus das riesige Abbaugebiet, während wir von einem Mitarbeiter der MIBRAG mbH die wesentlichen Informationen über die Braunkohleförderung erhielten. Große Umweltschäden, die durch den Tagebau entstehen, wie Grundwasserabsenkung und Trinkwasserbelastung, sowie enorme Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung machen umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen der ehemaligen Kohlegruben erforderlich. So entsteht in der Region südlich von Leipzig eine "freizeitorientierte Nachnutzungslandschaft". Als Beispiel hierfür sollte uns der seit den späten 1990er Jahren entstandenen Cospudener See dienen, der heute der Leipziger Bevölkerung einen attraktiven Naherholungsraum mit vielfältigen Wassersportmöglichkeiten bietet.

Mit Ressourcen ganz anderer Art beschäftigten wir uns dann anschließend in Bad Kösen an der Saale, wo wir das sachsen-anhaltinische Landesweingut Kloster-Pforta besichtigten. Hier befindet sich das nördlichste Qualitätswein-Anbaugebiet der Welt. Nach einer Führung durch Weinberg und Weinkeller konnten wir uns von der Qualität des hier produzierten Rebensaftes überzeugen.

Das Programm des dritten Exkursionstages führte uns zunächst nach Goseck bei Naumburg, hier haben Archäologen das mit etwa 7000 Jahren älteste Sonnenobservatorium Europas entdeckt. Wie im zweifellos bekannteren, aber auch deutlich jüngeren Stonehenge hatte diese Stätte wohl kultische und astronomische Funktion zugleich, zahlreiche Keramikfunde deuten darauf hin. Die Kreisgrabenanlage wurde mit Holzpalisaden aufwändig rekonstruiert.

Auf der Heimfahrt nach Eichstätt erreichten wir über einen kleinen Umweg unseren letzten Programmpunkt, die Saalfelder Feengrotten. Hier am Rande des Thüringer Schiefergebirges befand sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein Alaunschieferbergwerk, 1914 machte man die stillgelegten Stollen dann in Form einer begehbaren Schauhöhle der Öffentlichkeit zugänglich. Das relativ weiche Material Diadochit, auch Bergbutter genannt, bildet Tropfsteine, die schnell wachsen und skurrile Formen annehmen. Nach diesem romantischen Erlebnis unter Tage traten wir dann endgültig die Heimreise an, zahlreiche Baustellen und die damit verbundenen Verzögerungen verlangten den Schülern ein für einen Samstagnachmittag erhöhtes Maß an Kooperationsbereitschaft ab.

 

In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Kollegen Marianne Lauterbach und Johannes Wild bedanken, ohne deren Hilfe wir diese Fahrt so nicht hätten durchführen können. Ein großes Dankeschön geht auch an die Schülerinnen und Schüler der Klassen 11a und 11b, die durch ihr interessiertes und kooperatives Verhalten entscheidend zum Gelingen beigetragen haben.

Dr. Michael Seitz