Exkursion an die Ostsee

Geographie er - fahren! Dieses Motto nahm der Leistungskurs sehr genau, als er am 12. Mai für fünf Tage zu seiner Exkursion an die Ostsee an den Weissenhäuser Strand aufbrach. Die knapp zwölfstündige Busfahrt rief uns in Erinnerung, wie groß Deutschland eigentlich ist. Untergebracht in gemütlichen Appartements gleich hinterm Deich konnten wir uns erst einmal von den Strapazen der Anreise erholen.

Der nächste Tag sollte uns Holstein und seine beiden wichtigsten Städte näher bringen. Zunächst stand Kiel auf dem Programm; die knapp 250000 Einwohner zählende Landeshauptstadt, nach dem Krieg nüchtern und wenig einladend wieder aufgebaut, zeigte sich uns am Christi-Himmelfahrtstag wie ausgestorben. Als süddeutsche Landratten waren wir aber natürlich vom Hafen und vom Aquarium im Leibniz-Institut für Meereswissenschaften beeindruckt. Die Weiterfahrt führte uns entlang der Steilküste, wo wir von einem Leuchtturm aus den Blick über die Kieler Bucht schweifen lassen konnten, und durch die Holsteinische Schweiz in die Hansestadt Lübeck. Der Stadtkern an der Trave, berühmt für das Holstentor, das Buddenbrookhaus und den Marzipansalon im Café Niederegger, lud zum Verweilen ein. Auf der abendlichen Heimfahrt konnten wir uns ein Bild von den norddeutschen Himmelfahrts-, oder besser: Vatertagsbräuchen machen, zahlreiche umgestürzte Leiterwagen in den Straßengräben zeugten von der nicht mehr vorhandenen "Lenktüchtigkeit" ihrer Besitzer...

Der Freitag führte uns auf die drittgrößte deutsche Insel, nach Fehmarn. Über die elegant geschwungene Fehmarnsundbrücke, aufgrund ihrer Form im Volksmund auch gerne "Kleiderbügel" genannt, gelangten wir direkt zum Fährhafen Puttgarden. Der günstige Preis für eine Überfahrt auf einem der im 30-Minutentakt verkehrenden Fährschiffe lockte uns für einen Abstecher nach Dänemark. Anschließend verbrachten wir den Nachmittag in der sehenswerten, etwa 6000 Einwohner zählenden Inselhaupt-"stadt" Burg.

Trotz einer Wassertemperatur von 9°C ließen sich die Abgehärteteren unter uns nicht davon abbringen, ein kleines Bad in der Ostsee zu nehmen - wahrlich ein erfrischendes Erlebnis! Aufwärmen konnte man sich anschließend beim Kegeln oder in den Bars und Restaurants unserer Ferienanlage.

Der nächste Tag bescherte unserem Busfahrer schließlich eine kleine Pause, ausgerüstet mit Schleswig-Holstein-Tickets brachen wir per Bahn nach Hamburg auf. In Kleingruppen konnte die zweitgrößte Stadt Deutschlands erkundet werden; aber egal, ob man die Zeit zu einer Hafenrundfahrt, einem Bummel entlang der Alster oder zu einem Ausflug ins Nobelviertel Blankenese nutzte - der Tag verging viel zu schnell.

Die Rückfahrt nach Eichstätt am Sonntag ließ uns genügend Zeit, das Erlebte gedanklich zu verarbeiten, den cineastischen Horizont mit Hilfe des Bordprogramms zu erweitern oder auch ein wenig versäumten Schlaf nachzuholen.

Und wer jetzt denkt, der Leistungskurs hätte über das verlängerte Wochenende eine Urlaubsreise unternommen, dem sei gesagt, dass die Exkursion eine anerkannte und bewährte geographische Forschungsmethode ist. Wie sagte schon Alexander von Humboldt, der Vater aller Geographen: "Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben."

Dr. Michael Seitz