Fachexkursion im Rahmen der SchiLF "20 Jahre deutsche Wiedervereinigung"

 

Vom 1. bis 4. Oktober unternahmen im Rahmen der schulinternen Lehrerfortbildung (SchiLF) die Fachschaften Geschichte und Geographie eine Fachexkursion mit dem Thema "20 Jahre deutsche Wiedervereinigung" nach Thüringen. Hierbei wurden zahlreiche Orte - Mödlareuth, der Saale-Orla-Kreis, Weimar, Erfurt und Jena - besucht. Die Exkursion wurde geleitet von OStRin Annette Siegert und StR Martin Haselsteiner.

 

Als erster Programmpunkt wurde entsprechend der Thematik der SchiLF das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth ausgewählt, das 48-Einwohner-Dorf liegt auch heute noch zu einem Teil in Bayern und zu einem Teil in Thüringen. Mit einem informativen Multivisionsvortrag wurden die Exkursionsteilnehmer mit wichtigen und teilweise recht kuriosen Informationen über den Alltag an der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf den anschließenden Rundgang durch das Freigelände eingestimmt. Die alten Grenz- und Befestigungsanlagen wurden in dem auch "Little Berlin" genannten Ort z.T. rekonstruiert und didaktisch ansprechend aufbereitet.

 

Der Samstag begann mit einer Rundfahrt auf dem insgesamt 27 km langen Hohenwarte-Stausee. Gemessen am Wasservolumen ist er der drittgrößte Stausee Deutschlands. Seine Sperrmauer misst eine Höhe von 75 m, Länge von 412 m und Breite von 54,7 m am Fuß bzw. fast 7 m an der Krone. Der Hohenwarte-Stausee ist ein Teil der rund 80 km langen, 5-mal hintereinander gestauten Saalekaskade, dem größten Stauseegebiet Deutschlands. Entlang des Seeufers sind Campingplätze und Sommerhäuser angesiedelt. Eigentlicher Zweck des Stausees ist der Hochwasserschutz sowie die Elektrizitätserzeugung und -speicherung durch das Pumpspeicherkraftwerk Hohenwarte I. Dessen Turbinen erzeugen bis zu 63 MW und gehören zur Vattenfall Europe AG.

 

 

Als naturräumliche Einheit der Stauseen-Landschaft ist das Thüringische Schiefergebirge zu nennen, das südöstlich an das Kettengebirge Thüringer Wald anschließt. Die flachwellige Mittelgebirgs-Rumpffläche ist zwischen 300 und 500 m hoch gelegen und ist durch steile Hänge und tief eingeschnittene Täler charakterisiert. Am Gebirgskamm, dem Rennsteig, erreichen die Berge Höhen von über 800 m. Das dunkle Schiefergestein findet beim Hausbau bzw. der Dachbedeckung Anwendung. Besonders auffällige Landschaftsmerkmale sind Diabaskuppen, die aus vulkanischen Gesteinen, Diabasen, bestehen, härter als das umgebende Gestein sind und folglich langsamer verwittern und so wiederum die typischen Kuppen entstehen lassen.

 

Eine Führung im Laufwasserkraftwerk Ziegenrück, einem Technischen Denkmal, schloss daran an. Es gilt als Deutschlands ältestes Laufwasserkraftwerk und wurde erstmals 1258 im Zusammenhang mit der Saale-Flößerei erwähnt. Durch diesen Kraftwerkstyp wird generell die Grundlast abgedeckt. Darüber hinaus ist es das älteste noch im Original erhaltene Wasserkraftwerk an der oberen Saale. Die Francis-Schachtturbine der Ziegenrücker Fernmühle wurde um 1900 gefertigt und ist bis heute im Museum in Betrieb. Im Jahr 1965 wurde das Kraftwerk stillgelegt und zeigt seither als Museum die Geschichte und Entwicklung der Energieerzeugung aus Wasser. Ein sehr anschauliches Modell ermöglichte den Fortbildungsteilnehmern einen guten Überblick über die Geschichte des Talsperrenbaus im Gebiet der oberen Saale. Des Weiteren zeigte die Ausstellung das historische Handwerk im Gebiet der oberen Saale nebst Fischerei und Flößerei.

 

In den Saalfelder Feengrotten am Rande des Thüringer Schiefergebirges befand sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein Alaunschieferbergwerk. 1914 machte man die stillgelegten Stollen dann in Form einer begehbaren Schauhöhle der Öffentlichkeit zugänglich. Das relativ weiche Material Diadochit, auch Bergbutter genannt, bildet Tropfsteine, die schnell - 1000-mal schneller als der Kalkstein in den uns aus dem Altmühltal bekannten Karsthöhlen - wachsen und skurrile Formen annehmen. Aufgrund des eisen- und mineralreichen Milieus ist diese Tropfsteinhöhle für ihren Farbenreichtum berühmt. Bemerkenswert sind u.a. die über 100 vorhandenen Brauntöne. Ferner gelten die Feengrotten aufgrund des hohen Radongehalts auch als einer der ersten Heilstollen Deutschlands. Mineralhaltiges Heilwasser wurde bis zum Versiegen der Quelle in den 60er Jahren verkauft, gegenwärtig wird das leichter mineralisierte Wasser aus der "Gralsquelle" gefördert.

 

Der Sonntag, der 20. Jahrestag der Deutschen Einheit (!), hatte eine Führung in der Gedenkstätte Buchenwald zum Auftakt. Die fachkundige Führung übernahm ein Mitglied des Fördervereins Buchenwald e.V.. Herr Dr. Koch schilderte während des Rundgangs auf dem KZ-Gelände in eindrucksvollen Bildern und mit zahlreichen Zitaten ehemaliger Insassen das grausame Schicksal der Häftlinge, das jeden Fortbildungsteilnehmer bei einem Blick in den "Bunker" und das Krematorium mit den Emotionen ringen ließ. Das Lager wurde 1937 errichtet und war anfangs für 8.000 Gefangene angelegt, im Februar 1945 jedoch mit ca. 86.000 völlig überfüllt. In dem auf dem Ettersberg bei Weimar befindlichen Konzentrationslager kamen etwa 65.000 Menschen um. Am 11. April 1945 konnten sich die Lagerinsassen letztlich aber selbst befreien. Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 wurde das Gelände noch bis 1950 von der sowjetischen Besatzungsmacht als Gefangenenlager genutzt.

Bevor die SchiLF-Teilnehmer anschließend einen kurzen Abstecher in Weimars Innenstadt unternahmen, war ihr Ziel aber noch der von 1954-58 geschaffene Denkmalkomplex vor den Toren des KZs. Das Mahnmal wird von einem 50 m hohen Glockenturm und der von Fritz Cremer geschaffenen Bronzeplastik, die mit ihren verschiedenen Figuren, die Erlebnisfülle, die man beim Besuch der KZ-Gedenkstätte Buchenwald gewinnt, zum Ausdruck bringen soll, dominiert.

 

Nachmittags erkundeten die Fortbildungsteilnehmer Erfurt im Rahmen einer Stadtführung. Die Geschichte der Stadt war seit dem 8. Jahrhundert über 1000 Jahre eng mit dem Bistum Mainz verknüpft. Das Mainzer Rad im Stadtwappen Erfurts zeugt bis heute davon. Allerdings wurde die Stadt im Laufe der Geschichte zunehmend von der Reformation beeinflusst. Das Luther-Denkmal am Erfurter Anger steht symbolisch hierfür. Während Erfurt 1973 die 200.000 Einwohner-Marke überschritt, mit rund 220.000 Menschen 1989 ihren Höchststand erreichte, kämpft sie heute mit der 200.000er Marke. Zahlreiche Eingemeindungen konnten den Bevölkerungsverlust durch Abwanderung, Suburbanisierung und Geburtenrückgang nach der Wende nicht ausgleichen. Dennoch präsentierte sich Erfurt den Eichstättern im Rahmen des Stadtfestes mit dem Thema "20 Jahre deutsche Wiedervereinigung" als pulsierende Landeshauptstadt.

 

 

Am letzten Tag führte die SchiLF schließlich noch in die Universitätsstadt Jena. Diese liegt geologisch gesehen im Buntsandstein. Die Kernberge rund um Jena sind der mittleren Trias, also dem Muschelkalk vor rund 250 Mio. Jahren zuzuordnen. Geologische Störungen wie die "Studentenrutsche" sind durch die Erosionsrinne sehr markant und leicht zu erkennen. Als "Teufelslöcher" werden die Höhlen am Fuße der Kernberge bezeichnet. Aufgrund des stark kalkhaltigen Wassers bildete die Quelle Kalksinterablagerungen. Geprägt ist das Gelände heute auch von drei Wanderwegen auf drei Höhenniveaus sowie zwei geologischen Pfaden.

 

Zum Abschluss der Fahrt lieferte eine durch Dr. Wolfgang Wimmer (Leiter des Unternehmensarchivs) und Jürgen Dömel (stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates) geleitete Informationsveranstaltung zur Firmengeschichte des Jenaer Carl-Zeiss-Werkes mit dem anschließenden Besuch des Innovationsraums und der Möglichkeit zur Diskussion mit den beiden Zeissianern interessante Einblicke in die strukturellen Umbrüche in der Firmengeschichte, gerade auch im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung von 1990.