Kreide und Kreise



Nicht zuletzt durch das weltberühmte Zitat „Störe meine Kreise nicht!" (Archimedes von Syrakus) muss jedem geläufig sein, wie nahe die Mathematik mit der Kunst verwandt ist, insbesondere der Aktionskunst. Gerade bei Letzterer ist der künstlerische Akt nach Abschluss der „Aktion" ja nicht nur in dem Sinne vollendet, als ein Kunstwerk vollendet wäre, vielmehr ist der Akt ja selbst das Werk und liegt somit in der Vergangenheit. Das Vergängliche ist also Teil des besonderen Reizes, ebenso wie dies bei den Kreisen von Archimedes der Falls ist, welcher ja zu allem Überfluss im Sand geschrieben hat.

1Nicht im Sand, aber dennoch vergänglich waren auch diejenigen Kreise, welche die Schüler der Klasse 7c letzthin auf dem Pausenhof gezogen haben. Ganz im Sinne der alten Griechen dienten sie der Konstruktion, also der ästhetischsten Form der reinen Geometrie. Hiermit sei dem künstlerischen Anspruch Genüge getan. Was den Reiz des Augenblickes anbetrifft gilt zugegebenermaßen, dass es sicher auch nicht im Sinne des Hausmeisters gewesen wäre, die hübschen Konstruktionen für die Ewigkeit zu fixieren, etwa mit einer Spraydose.


Wie dem auch sei, die Schüler hatten Gelegenheit, nur mit Kreide und Schnüren bewaffnet, die Zeichnungen, die üblicherweise im Mathematikheft landen, auf dem Pausenhof abzubilden. Dies ist um einiges schwieriger, aber bringt auch den ursprünglichen Sinn weit näher: Will man ein Haus mit rechteckigem Grundriss bauen, so ist ein handelsübliches Geodreieck von sehr eingeschränktem Nutzen. 2

Somit sei an dieser Stelle unserem Referendar Herrn Pfefferer herzlich gedankt, Mathematik, ein wenig Kunst und viel Praxis in eine unterhaltsame Schulstunde verpackt zu haben.


Artikel: Dr. Hofmann