Energietag

Ende Juli 2008 ist am Gabrieli-Gymnasium zum zweiten Mal ein Energietag veranstaltet worden. Hatte der erste Energietag im vorigen Jahr noch die Energieversorgung der Schule und die Rolle der beteiligten Firmen und Behörden im Visier, so wurde diesmal der Blick auf die Stadt Eichstätt und ihre nähere Umgebung ausgeweitet.
Es war daher nur konsequent, die Reihe der Gastvorträge durch einen Angehörigen der Stadtwerke Eichstätt (SWE) fortzusetzen. Dass sich hierzu Herr Brandl als Leiter der Stadtwerke Eichstätt zur Verfügung stellte, verlieh dem Vortrag eine besondere Ausstrahlung. So gab Herr Brandl nicht nur einen lehrreichen Überblick über die Energieversorgungsaufgaben der SWE, sondern er schilderte den etwa 100 ausgewählten Schülern der achten und zehnten Jahrgangsstufe auch das philosophische Konzept unseres kommunalen Energieunternehmens. Man konnte hören, dass dieses anders als die meisten Unternehmen nicht an Gewinnmaximierung, sondern vorrangig an einer soliden und günstigen Versorgung von mehr als 15000 Menschen mit Wasser, Strom und Gas orientiert ist. Die SWE stehen zu 100 % im Eigentum der Bürger und wahren deren ökonomische und ökologische Belange.
Angesichts drastisch steigender Strom- und Gaspreise sehen sich, wie Herr Brandl ausführte, die SWE in der Pflicht, noch mehr Aufklärungsarbeit zur Einsparung von Energie durch Modernisierung und Dämmung zu leisten. Auch haben es sich die Stadtwerke auf die Fahnen geschrieben, in ihrem Bezug von regenerativer Energie mit gutem Beispiel voranzugehen. Während deutschlandweit 12 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen bezogen werden, liegt der entsprechende Anteil in Eichstätt doppelt so hoch.
Die Eichstätter Haushalte und Firmen verbrauchen jedes Jahr 89 Mio. KWh Strom und 164 Mio. KWh Gas. Neben diesen Hauptbezugsquellen gibt es in Eichstätt jedoch auch andere Energieträger, so dass man von einem Energiemix mit Augenmaß sprechen kann. Immerhin wird jede 25ste Kilowattstunde an Strom durch drei Wasserkraftanlagen (ca. 0,3 Mio. KWh jährlich), eine große Biogasanlage (ebenfalls ca. 0,3 Mio. KWh p.a.), ca. 130 Photovoltaikgeneratoren (0,9 Mio. KWh pro Jahr) und verschiedene Blockheizkraftwerke (1,8 Mio. KWh im Jahr) als erneuerbare Energie in Eichstätt bereits selbst gewonnen. Photovoltaik und Kraft-Wärmekopplung verfügen auch in Eichstätt über ein großes Ausbaupotential und sollen gezielt durch novellierte Rechtsnormen und finanzielle Anreize gefördert werden. Darüber hinaus wird von den SWE die verstärkte Einspeisung von Biogas in das Gasnetz betrieben. Auch hier ist - wie schon beim Strom - mit jährlich 0,5 Mio. kWh die Zentralkläranlage eine herausragende Quelle.
Der Vortrag von Herrn Brandl war umrahmt von einem guten Dutzend Grundlagenreferaten von Schülerinnen und Schülern, die sich im Laufe des Schuljahres durch entsprechende Vorarbeiten zu den verschiedenen Energieträgern ausgezeichnet hatten. Eine besondere Qualität hatte im Rahmen dieser oftmals sehr gründlichen Studien das Referat von Annette Rachinger. Am Beispiel einer durch Prozesse vereitelten Windkraftanlage konnte hier zusätzlich auf die noch immer zwiespältige politisch-ethische Dimension des Themas Energiebeschaffung verwiesen werden - ein Fingerzeig zugleich auf eine mögliche Ausrichtung der Veranstaltung im nächsten Jahr.

Dr. Jürgen Reinhard