Gesunde Ernährung

Ein Selbstversuch

Wie schwer ist es eigentlich, sich als Schüler gesund zu ernähren? Beeinflusst das Essen unsere Stimmung? Wäre es eine große Umstellung, Fertigessen mal wegzulassen?

  Diese Fragen stellten wir uns während einer Schülerzeitungssitzung und so überlegten wir uns, es einfach mal für eine Woche auszuprobieren. Keine Tiefkühlkost, nur frisches Essen und gesunde Speisen - in der Hoffnung, möglichst oft möglichst leise kichernd „Burger? Ach, lass mal gut sein, ich nehm einen kleinen Salat!“ sagen und so einen guten Eindruck hinterlassen zu können. Dass das mit der gesunden Ernährung doch ein wenig schwerer ist, als anfangs gedacht, fiel uns aber schon am ersten Tag unseres Experiments auf. Morgens gab es Haferflocken und Früchte und nicht die fehlenden Geschmacksverstärker, sondern das Frühstück an sich war eine Umstellung, da ich es mir aus zeitlichen Gründen abgewöhnt habe, zu frühstücken. Außerdem gibt es ja auch noch den Pausenverkauf. Doch das Ziel unserer kurzfristigen Ernährungsumstellung war es ja nicht, möglichst wenig, sondern gesund und ausgewogen zu essen. Auch den besagten Pausenverkauf umgingen wir und mittags gab es Reis und Gemüse. Auf Snacks zwischen den Mahlzeiten versuchten wir zu verzichten, was sich als gar nicht so leicht herausstellte, da uns oft Süßigkeiten angeboten wurden. Abends aßen wir normalerweise Brot und frisches Gemüse und ohne es vorher direkt vorausgesetzt zu haben, kam es, dass wir uns in dieser Woche nicht von Milchprodukten ernährt und auch auf Fleisch verzichtet haben. Es war ein wenig schockierend für uns, wie völlig anders diese Woche doch war. Denn erst so ist uns aufgefallen, wie oft man, ohne wirklich darüber nachzudenken, zu den Smarties des Klassenkameraden greift oder die Chips, die angeboten werden, isst.

 Freunde meinten zu uns während dieser Zeit, dass wir ziemlich unausgeglichen seien (was eventuell daran liegen könnte, dass wir uns mehrmals pro Tag beklagten, wie dumm dieses Experiment doch sei, wenn wir gerade mal unmotiviert ein Stück Gurke verspeisten) und tatsächlich waren wir spätestens, als das Balsamico-Dressing eines überteuerten Salates einen weißen Pulli komplett beschmutzt hatte und wir verwirrt von Leuten mit Kirschtaschen in der Hand, die wir wiederum sehr eifersüchtig anstarrten, beäugt wurden, auf dem Tiefpunkt unserer Ernährungs-Euphorie angelangt. Doch was uns am meisten empörte, war nicht der dreckige Pulli, sondern der Preis des Essens. So kostet beispielsweise ein (gar nicht mal frisch zubereiteter) Salat bei den Bäckern der Stadt fast doppelt so viel wie ein Gebäckstück, dass vergleichsweise satt macht und so ist man an einem Tag als Schüler, der versucht, ein wenig gesünder zu essen, in einer Mittagspause fünf Euro los, wenn man sich nicht selbst etwas mitnimmt. Auch unsere schlechte Laune sprach nicht unbedingt für ein Leben mit Couscous, Bohnen und Granatapfel als einzigen Mahlzeiten.

Doch trotzdem: nicht ständig überfüllt zu sein, ist ziemlich angenehm und wir ertappten uns selbst dabei, dass wir ein gutes Gewissen hatten, da wir genau wussten, unserem Körper etwas Gutes getan zu haben. Letztendlich haben uns die wenigen Tage gezeigt, wie schwierig es sein kann, ganz bewusst gesund zu essen und wie oft man, ohne darüber nachzudenken, zu Junkfood greift.

Vermutlich hätten wir das Experiment über eine längere Zeitspanne durchhalten und ein wenig Umgewöhnungszeit einplanen müssen, um genauere Ergebnisse zu erzielen, doch auch so haben wir neue Erfahrungen gesammelt. Auch wenn wir sehr froh waren, als wir uns nach sieben Tagen nicht mehr selbst kontrollieren mussten und mal wieder eine Pizza essen konnten, war die kurze Zeit wirklich auszuhalten. Wir hatten zwar ab und an schlechte Laune und Hunger, aber am meisten Respekt vor den Menschen, die das tagtäglich so durchziehen.